Risikomanagement ist in agilen Vorgehensmodellen nicht explizit vorgesehen. Aber, bei der Priorisierung von Backlog-Elementen ist das Risiko eines der wichtigen Kriterien und soll dafür sorgen, dass Arbeitspakete, die Risiken mindern oder auflösen, möglichst früh bearbeitet werden. (Siehe Backlog-Priorisierung). Hierbei handelt es sich meist um die sogenannten Projektrisiken.
Projektrisiken
Darüber hinaus kann man Risiken unterteilen in „kontrollierbar innerhalb der Produktentwicklung“, und Risiken, die nicht direkt kontrollierbar sind und damit außerhalb des Einflussbereichs der Produktentwicklung liegen. Solche Risiken können nur akzeptiert und gemindert werden.
Am interessantesten für die Agilität der Produktentwicklung ist die Betrachtung der Entscheidungsrisiken:
- Wie viele Informationen benötigen wir, um eine Design-Entscheidung zu treffen und
- welche Auswirkungen hat die Design-Entscheidung, d.h. was müsste alles geändert werden, wenn diese Entscheidung später verworfen wird. Gerade frühe architekturelle Entscheidungen oder auch die Auswahl von Partnern lassen sich nur schwer zurücknehmen.
Durch die konseqente Sortierung der Design-Entscheidungen nach ihrem Risiko entsteht ein Entscheidungsbaum (Decision Tree), der die Prioritäten für das Bearbeiten und Schließen von Knowledge-Gaps darstellt.
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Nicht nur Risiken sollten aktiv gemanagt werden, sondern auch Chancen. Zur Darstellung kann das Upswing-Gravity-Chart genutzt werden, ähnlich wie bei der Kosten-Nutzen-Gegenüberstellung.
Produktrisiken
Insbesondere im Umfeld von regulierter Produktentwicklung wird darüber hinaus ein explizites Produkt-Risikomanagement gefordert. Hierbei geht es um Risiken für Mensch und Umwelt bei der Herstellung und Nutzung des Produkts, also Produktrisiken. Aus Produktrisiken entstehen i.d.R. nichtfunktionale Anforderungen an das Produkt oder seiner Komponenten (Robustheit, Lebensdauer, Verfügbarkeit, Redundanz). Von diesen werden Architektur- und Designentscheidungen getrieben und beeinflusst. Häufig werden auch zusätzliche Überwachungsfunktionen entworfen und integriert, bishin zur Mehrkanaligkeit. Aus der Riskoanalyse werden auch häufig zusätzliche Aktivitäten während der Entwicklung des Produkts vereinbart (z.B. zusätzliche Tests, Reviews durch Experten, …)
